Fraud-Landkarte

Betrug hat viele Namen

Wer nur einen Ausschnitt kennt, verteidigt einen Ausschnitt. Erst wer das ganze Bild vor sich hat, kann entscheiden, wo sich Aufwand lohnt und welche Lücke er bewusst offen lässt. Diese Landkarte ist dieses Bild.

KI ändert das Spiel

Nicht weil zwingend neue Betrugsarten entstehen, sondern weil sich Betrug heute viel eher rechnet als früher.

Betrug war immer eine Kalkulation: Aufwand pro Versuch gegen erwarteten Ertrag. Lohnte sich ein Angriff nur bei großen Beträgen, blieben kleine Ziele verschont. Diese Kalkulation existiert nicht mehr. Wenn der nächste Versuch fast nichts mehr kostet, lohnt sich jedes Ziel und jede Höhe. Was sich dadurch gleichzeitig verschiebt:

Größenordnung

Eine Masche, hundert Ziele

Früher wurde eine Masche an einem Unternehmen erprobt und dann mühsam auf das nächste übertragen. Heute läuft sie gleichzeitig gegen hunderte, wertet die Reaktionen aus und stellt sich selbst nach.

Tempo

Kein Zeitfenster mehr

Auskundschaften, Testen, Identitäten erzeugen, Konten anlegen: Was früher über Wochen lief und dabei Spuren hinterließ, läuft heute in einem Durchgang. Die Gelegenheiten zum Eingreifen schließen sich.

Täterkreis

Betrug als Dienstleistung

Werkzeuge werden verkauft, mit Support und Erfolgsgarantie. Wer angreifen will, braucht weder Technik noch Sprachkenntnisse noch ein Netzwerk, sondern nur Geld. Die Zahl möglicher Täter ist um ein Vielfaches gewachsen.

Erkennbarkeit

Die alten Anzeichen fallen weg

Holpriges Deutsch war nur das offensichtlichste. Eine vertraute Stimme, ein bekanntes Gesicht im Videoanruf, ein professioneller Auftritt, ein ordentlicher Ausweis: Nichts davon ist noch ein Beweis.

Abwehr

Was noch trägt

Kontrollen, die darauf beruhen, dass ein Mensch etwas für plausibel hält, verlieren ihren Wert. Kontrollen, die auf Verhalten, auf Verknüpfung über Kanäle hinweg und auf harten Regeln beruhen, gewinnen.

Konsequenz

Überblick schlägt Einzelmaßnahme

Wenn alles gleichzeitig angegriffen wird, nützt es wenig, eine Stelle besonders gut zu sichern. Es zählt, das ganze Feld zu kennen und zu wissen, welche Lücke man bewusst offen lässt.

Was dem Schaden vorausgeht

Jedem Betrugsfall geht eine Vorbereitung voraus, oft Wochen oder Monate vorher und mit klarer Arbeitsteilung. Der Schaden ist das Ende einer Kette, nicht ihr Anfang.

Datenbeschaffung Leaks, Phishing, Schadsoftware
Auskundschaften Abgreifen von Daten, Ausspähen von Abläufen
Infrastruktur Fake-Shops, Hosting, Verschleierung
Kanäle Phishing-Kampagnen, erfundene Vorwände
Ausprobieren Durchtesten von Zugangsdaten und Kartennummern
Automatisierung Bots, Skripte, Angriffe im großen Stil
Handel Weiterverkauf der Vorbereitungs-Ergebnisse
Übergang Ausführung und Abfluss des Geldes

Jedes dieser Felder ist eine Gelegenheit einzugreifen. Wer erst beim Schaden hinsieht, hat sie alle verstreichen lassen. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf das Ganze statt auf den einzelnen Fall: Wie ich dabei vorgehe →

Kategorien

Geordnet danach, wer angreift und wie der Schaden entsteht, nicht danach, über welchen Weg er hereinkommt. Das ist der Unterschied, der zählt: Dieselbe Masche taucht im Webshop, in der App und in der Filiale auf. Die Abwehr muss deshalb bei der Masche ansetzen und nicht beim Kanal.

Die Farbe einer Karte sagt, welche Disziplin zuständig ist: Violett für Fraud Prevention, Grün für Payments, Bordeaux für Anti-Financial Crime. Navy trägt, was quer dazu liegt.

A Identität, Zugang & Plattform-Zugriff

  • Account Takeover
  • Synthetische Identitäten
  • Identitätsdiebstahl beim Onboarding
  • Account-Farming & Account-Renting
  • Deepfake- & Dokumentenfälschung
  • Fraud-as-a-Service
  • SIM-Swapping
  • Session Hijacking & Man-in-the-Browser
  • API-Abuse
  • Scalping & Inventory-Hoarding
  • Ban-Evasion & Multi-Accounting
  • und vieles mehr

B Zahlungs- & Transaktionsbetrug

  • Card-Not-Present-Betrug
  • Card-Present-Betrug am POS
  • Triangulationsbetrug
  • Authorized Push Payment Scam
  • SEPA- & R-Transaktionsbetrug
  • Business Email Compromise
  • Instant-Payment-Betrug (A2A)
  • Crypto-Investment-Onramp
  • Gift-Card- & Prepaid-Fraud
  • Digital-Wallet-Fraud
  • und vieles mehr

C First-Party Fraud

  • Vorsätzliches First-Party Fraud
  • Unbeabsichtigtes „Family Fraud“
  • Refund-, Policy- & Promo-Abuse
  • Kollusion
  • Service-Abuse bei Delivery
  • Loyalty- & Voucher-Abuse
  • Creator- & Affiliate-Abuse
  • Chargeback-Fraud
  • Abo- & Free-Trial-Abuse
  • und vieles mehr

D Affiliate- & Ad-Fraud

  • Click-Fraud
  • Impression-Fraud
  • Attribution-Fraud
  • und vieles mehr

E Schaden, Lieferkette & physischer Betrug

  • Versicherungs-Claims- & Application-Fraud
  • Frachtdiebstahl mit Identitätsbetrug
  • Versand- & Postbetrug
  • Merchant-Onboarding-Fraud & Fake-Shops
  • und vieles mehr

F Scams & Social Engineering

  • Romance- & Investment-Scam
  • Pig Butchering
  • Phishing, Smishing & Vishing
  • Tech-Support- & Behörden-Scam
  • Kauf- & Marktplatz-Scam
  • Telekommunikations-Gebührenbetrug
  • und vieles mehr

G Geldwäsche & AML

  • Money Mules
  • Mule-Netzwerke & Kontofarmen
  • Transaction Laundering
  • Strukturierung (Smurfing)
  • Layering über Zahlungsdienstleister
  • Krypto-On- und Off-Ramps
  • Handelsbasierte Geldwäsche
  • Drittzahler-Konstellationen
  • Sanktions- und Embargoumgehung
  • und vieles mehr

Ausführlich weiter unten →

H Insider- & HR-Fraud

  • Lagerbetrug & interner Diebstahl
  • Invoice-Factoring- & Trade-Finance-Fraud
  • Beschaffungs- & Lieferantenbetrug
  • Payroll-Fraud
  • Recruitment-Fraud & Insider-Platzierung
  • und vieles mehr

Quer zu dieser Ordnung liegen zwei Dinge, die sich nicht einsortieren lassen: die Frage, was mit der Beute geschieht, und organisierte Banden, die mehrere Kategorien gleichzeitig bedienen.

Geldwäsche gehört auf dieselbe Karte

Nicht als Nachbarthema, sondern als Teil desselben Vorgangs. Betrug erzeugt Geld, das irgendwohin muss, und genau dort endet in den meisten Unternehmen die Zuständigkeit des Fraud-Teams.

Beide Bereiche sehen dieselben Konten, dieselben Zahlungen und oft dieselben Personen, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus unterschiedlichen Systemen heraus. Wer diese Sichten nicht zusammenbringt, prüft dieselbe Auffälligkeit zweimal und erkennt sie trotzdem nicht: Das Fraud-Team sieht eine einzelne verdächtige Zahlung, die Geldwäscheprävention einen unauffälligen Betrag. Erst zusammen ergibt sich das Muster.

Deshalb steht Geldwäsche hier nicht in einem eigenen Kapitel am Rand, sondern mitten in der Landkarte. Wer nur den Betrug betrachtet, sieht das halbe Bild.

Mules und Kontofarmen

  • Gefälschte Jobangebote, aus dem Helfer wird meist selbst ein Beschuldigter
  • Gutgläubige Mules („nur mal kurz das Konto")
  • Wissentliche Mules mit Provision
  • Gekaufte und gemietete Konten
  • Kontofarmen über synthetische Identitäten
  • Kettenkonten und Weiterleitungsnetze
  • Romance- und Anlagebetrug als Mule-Quelle
  • und vieles mehr

Platzierung und Layering

  • Strukturierung unterhalb von Meldeschwellen
  • Layering über mehrere Zahlungsdienstleister
  • Instant Payments als Beschleuniger
  • Prepaid-Karten und Gutscheine
  • Krypto-On- und Off-Ramps
  • Wallet-Hopping zwischen Anbietern
  • Bargeldnahe Geschäftsmodelle
  • und vieles mehr

Missbrauch legitimer Kanäle

  • Transaction Laundering über fremde Händlerkonten
  • Scheinverkäufe auf Marktplätzen
  • Handelsbasierte Geldwäsche über Rechnungen
  • Über- und Unterfakturierung
  • Drittzahler- und Dreieckskonstellationen
  • Rückerstattungen als Auszahlungskanal
  • Digitale Güter und Lizenzen als Wertträger
  • und vieles mehr

Branchenspezifische Wege

  • Gaming: Chip Dumping und abgestimmtes Verlieren
  • Gaming: Bonus- und Einsatzdurchleitung
  • Lotterie: Gewinnankauf und Scheingewinner
  • Marktplatz: Verkäuferkonten als Durchlauf
  • Versicherung: fingierte Schäden als Auszahlung
  • Immobilien- und Hochpreisgüterkauf
  • Sanktions- und Embargoumgehung über Zwischenhändler
  • und vieles mehr

Wo genau die Grenze zwischen Betrug und Geldwäsche verläuft, ist Tätern egal. In Unternehmen ist es meist eine Abteilungsgrenze. Diese Lücke zu schließen ist Aufgabe des Bereichs Anti-Financial Crime.

Branchen

Dieselbe Ordnung, andere Gewichtung: Was im Marktplatzgeschäft am meisten wehtut, spielt bei Versicherungen keine Rolle und umgekehrt. Jedes Geschäftsmodell hat sein eigenes Betrugsprofil.

  • Marktplätze & Plattformen
  • B2B-Handel
  • Delivery & Quick-Commerce
  • Mobility, Taxi & Ride-Hailing
  • Omnichannel & stationärer Handel
  • Logistik, Lager & Post
  • Banking & Neobanken
  • Versicherungen
  • Travel, OTA & Experiences
  • HR & Recruitment
  • Streaming & Digital Content
  • Ticketing & Fahrkarten
  • Booking-Plattformen
  • Digitale Güter, Lizenzen & In-Game-Items
  • SaaS, Cloud & Plattform-Services
  • iGaming, eSports & Lotterie
  • Lending & Kreditvergabe
  • Telekommunikation
  • Krypto-Börsen & On-/Off-Ramps
  • Quick-Service-Restaurants & Food-Ordering

Dazu kommen Querschnittsthemen, die keiner einzelnen Branche gehören: Dispute Handling als Brücke zwischen Payment und Refund, das Fraud-Profil alternativer Zahlarten von BNPL bis Konto-zu-Konto, Omnichannel-Betrug an den Nähten zwischen den Kanälen sowie Loss Prevention als eigenständige Disziplin.

Aus der Praxis gewachsen

Diese Landkarte ist nicht am Schreibtisch entworfen worden. Sie ist aus der Wirklichkeit gewachsen: aus Fällen, die tatsächlich über den Tisch gingen, aus Mustern, die erst beim zweiten oder dritten Mal auffielen, und aus Gesprächen mit Menschen, die dasselbe täglich sehen.

Und sie bleibt auf dem Laufenden. Jede neue Masche, jeder Fall, jeder Vortrag, bei dem jemand aus dem Publikum etwas beisteuert, schreibt sie ein Stück fort. Fertig wird sie nie, und das ist kein Mangel, sondern der Punkt: Eine Übersicht über etwas, das sich ständig verändert, darf selbst nicht stillstehen. Was hier steht, ist der Stand von heute und nicht der von nächstem Jahr.

Praktisch heißt das: Wir müssen nicht bei null anfangen. Für die meisten Fälle liegt der Rahmen bereits vor. Was bleibt, ist die Arbeit an Ihrer konkreten Situation.

Aus der Landkarte wird Ihr Gefahrenportfolio

Hinter jeder Kategorie liegen ausgearbeitete Profile, Varianten und Fälle, hinter jeder Branche ein eigenes Bild der Bedrohungen. Sie müssen das nicht alles durchdringen. Dafür bin ich da: Ich führe Sie durch die Teile, die Sie tatsächlich betreffen, und lasse den Rest liegen.

Denn für Sie ist ohnehin nur ein Bruchteil wichtig, und genau dieser Bruchteil ist die eigentliche Frage: Welche dieser Muster treffen Ihr Geschäft, Ihre Kanäle, Ihre Kunden? Wo sind Sie heute angreifbar, und was davon lohnt sich für einen Täter überhaupt?

Daraus mache ich Ihr eigenes Gefahrenportfolio: die Bedrohungen, die für Sie wirklich zählen, nach Wichtigkeit geordnet und auf Ihre Abläufe bezogen. Dazu die passende Lösung, abgestimmt auf Ihre Systeme, Ihre Organisation und Ihr Budget, nicht aus dem Katalog.

Ihre Variante ist nicht dabei oder Sie wollen wissen, wie sie sich bei Ihnen ausprägt? Fragen Sie einfach.

Es geht um Sie, vom ersten Gespräch an

Natürlich lebe ich davon, Mandate zu bekommen. Genau deshalb sage ich Ihnen auch, wenn Sie keines brauchen. Der Anfang kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

Sie erzählen

Was treibt Sie um, wo tut es weh, was haben Sie schon versucht? Ein Telefonat reicht für den Anfang meistens. Wenn es mehr braucht, nehmen wir uns mehr Zeit.

Ich ordne ein

Häufig lässt sich schon im Gespräch benennen, worum es eigentlich geht. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch dann, wenn ich nicht der Richtige bin.

Sie entscheiden

Erst danach kommt ein Vorschlag: modular, auf Ihre Ziele und Ihr Budget zugeschnitten. Nur das, was wirklich gebraucht wird.

Und dabei bleibt es. Auch im laufenden Mandat richtet sich die Arbeit nach Ihrer Lage und nicht nach einem Standardablauf. Sie bestimmen, wie tief wir gehen und wann Schluss ist.

Freien Termin auswählen →

Welche dieser Muster treffen Sie gerade?

Sagen Sie mir kurz, was Sie sehen. Häufig lässt sich schon im ersten Gespräch einordnen, worum es wirklich geht.

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